Brief an Jimi Hendrix

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    • Brief an Jimi Hendrix

      Heute hat mir Eckhard B. , grosser Jimi Hendrix Fan und Betreiber der Fanpage hendrix-fans.de folgenden, wie ich finde wundervollen, Brief an sein so früh verstorbenes Idol geschrieben. Ich will ihn euch nicht vorenthalten

      Lieber Jimi Hendrix!
      Du kennst mich natürlich nicht, aber ich komme erst jetzt dazu, Dir
      und Deinen Kollegen zu danken und zwar: Mick Jagger, Jimmy Page, Ginger
      Baker, Jim Morrison...
      Ohne Euch hätte ich und hätten die meisten meiner Freunde es nicht
      geschafft, die Phase Ende der Sechziger bis Mitte der Siebziger
      einigermaßen geistig gesund (unsere Eltern waren da zwar genau
      entgegengesetzter Meinung) zu überstehen.
      Man hatte uns auf die mittlere oder höhere Schule geschickt, damit wir
      es einmal besser im Leben haben sollten als unsere Eltern. Und wir waren
      noch Grünschnäbel, als es '68 zu brodeln anfing in unserer Republik.
      Ich war 15 und verstand noch nicht genau, um was es ging. Aber ich konnte...
      Weil es alle fühlen konnten, eine ganze Generation, von Los Angeles
      bis London, von Paris bis Frankfurt. Weil es dort die Festhalle gab und
      weil dort einige Deiner Kollegen auftraten, die ihre Botschaft mit
      Gitarre, Schlagzeug, Baß und Marshall-Verstärkern vortrugen. Wir
      verstanden sie, und die Botschaft war echt cool.
      Und wenn um Mitternacht in der schummrigen Kleinstadt-Disco ein
      Polizeirazzia kam, mußten alle, die erst 15 waren, durch den
      Hinterausgang flüchten. Das war supercool.
      In unserer Musik, unserer Kleidung und unserem Aussehen manifestierte
      sich ein einziger Protest gegen das bürgerliche Spießertum, gegen
      Anständigkeit, Aufbauarbeit, gegen Streber, Duckmäuser, Anpasser,
      gegen den Fetisch Konsum und gegen falsche Kompromisse. Für ein freies
      Leben, freie Wahl der Haarlänge, mit Filzstift verzierte Parkas, für
      den weiten Schlag der engen Jeans, für die Stones, Pink Floyd, Cream,
      The Doors, Led Zeppelin, The Who, Jethro Tull, Iron Butterfly, Ten Years After...

      Leben, das ging ohne Umweg in Hirn und Hose, versetzte uns in Welten,
      die nicht von dieser Galaxis waren.
      So ganz nebenher gab´s noch die Schule, gab´s Noten, Lehrer und
      Lehre und Leere. Das war unwichtig, lästige Pflicht. Wichtiger war
      die erste Liebe, war der ältere Freund, der mit glänzenden Augen von
      den Antikriegsdemos in der Großstadt erzählte, von freier Liebe, von
      Wohngemeinschaften, von der Überwindung des Kapitalismus, vom
      Übergang zur klassenlosen Gesellschaft. Und ganz speziell bei mir der
      Traum vom Leben, ohne verlogene Anbiederungen an die
      Leistungsgesellschaft, mit dem bescheidenen Minimalziel, dabei
      mitzuhelfen, eine bessere und neue Welt zu schaffen.
      Die Musik von Dir und Deinen Kollegen, lieber Jimi Hendrix, war es, die
      in uns all diese Träume und Hoffnungen erst weckte und stimulierte.
      Weil diese Musik nur uns gehörte und weil uns die Zukunft gehörte.
      Jetzt ist die Zukunft Gegenwart geworden. Wir haben Dich längst
      überholt, Jimi Hendrix, altersmäßig. Du bist nur 27 geworden, wir
      sind jetzt.....Die meisten aus meiner Klasse sind inzwischen Lehrer oder
      Ingenieure, Ärzte, Anwälte, einige Kaufleute sind auch dabei.
      Ja, Jimi; wie das Leben eben so spielt.
      Wir wollten nie erwachsen werden, die permanente Rebellion hatten wir
      auf unsere Fahnen geschrieben. Und was ist aus Mick Jagger geworden, dem
      "Street Fighting Man"? Der kämpft jetzt in Marbella oder auf Barbados
      mit seinen Steuererklärungen. Aber singen kann er immer noch wie kein
      zweiter.

      Ist das, was damals idealisiert, mythologisiert und romantisiert worden
      war, plötzlich wie ´´Jumping Jack Flash`` nur "gas-gas-gas"
      gewesen, also ein Trugbild? Letzten Endes, von heute aus gesehen , nur
      lächerlich??

      Gegenfrage: Kann man für immer jung bleiben?

      Man kann! Und zwar nicht nur dann, wenn man James Dean oder Jimi Hendrix
      heißt und dementsprechend früh stirbt. Es kommt immer auf den Kopf
      an. Und ich liege, Gott sei Dank, nicht in Seattle auf dem Friedhof. Das
      ist doch schon eine ganze Menge, oder?
      Denn so ganz erwachsen werden... nein, das will ich bestimmt nicht.
      Das ist ein Versprechen, Jimi Hendrix.
      Forever yours
      Eckhard B.
      "Wir haben alle denselben Himmel - aber nicht alle denselben Horizont" - Konrad Adenauer