Schöppingen 2016 - Der Sonntag

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      25. Grolsch Bluesfestival in Schöppingen

      Der Sonntag



      Am dritten Tag des 25. Grolsch Bluesfestivals sehen die Wetterverhältnisse anfänglich nicht viel besser aus als am Tag zuvor. Aber BluesRoader kennen kein schlechtes Wetter nur schlechte Kleidung. So geht es nach dem Mittagessen wieder auf die Wiese am Vechtebad in Schöppingen.



      Der australische Bluesgitarrist und -sänger, Hat Fitz darf zusammen mit seiner Partnerin Cara Robinson den Sonntag eröffnen. Cara singt und spielt Schlagzeug, Washboard und als Irin natürlich Tin Whistle. Cara hat lange Zeit bei verschiedenen Bands und Künstlern als Backgroundsängerin gearbeitet. Ihre stark vom Soul geprägte Stimme ergänzt sich gut mit der rauen Stimme des Mannes from down under. Hat Fitz spielt wechselnd auf einer Resonatorgitarre und einer E-Gitarre. Eine bunte Mischung aus australischem Blues gemischt mit Country-Blues und etwas irischem Folk erklingt an diesem frühen Sonntagnachmittag. Eine entspannte Darbietung verbunden mit einer interessanten Bühnenshow. Ein angenehmer Auftakt des Duos Hat Fitz & Cara am dritten Festivaltag.






      Schon wieder tummeln sich zwei Schwestern auf der Bühne, Rebecca und Megan Lovell. Die angeblichen UrUrUr-Enkel von Edgar Alan Poe nennen sich als Band Larkin Poe. Verstärkt werden sie durch Robby Handley am Bass und Marlon Patton am Schlagzeug. Ihre Musik beschreiben die beiden jungen Frauen selbst mit dem Begriff “Americana“ Ich denke, es ist eine große Mischung aus Rock, Country etwas Soul und Blues. Rebecca spielt E- und akustische Gitarre und singt. Megan spielt überwiegend Lapsteel-Gitarre und singt ebenfalls. Diese Band ist 2014 vor 175.000 Zuschauern auf dem Glastonbury Festival in England aufgetreten und wird in diesem Jahr in Deutschland auf den Festivals “Rock am Ring“ und “Rock im Park“ zu sehen sein.



      Die beiden jungen Frauen und ihre männlichen Begleiter sind sehr versierte Musiker und bieten eine erfrischende Show. Trotz widriger Witterungslage, ein heftiger Graupelschauer in der Mitte des Konzertes, zieht die Band sehr viele Besucher vor die Bühne. Sehr gut gemachte Rockmusik die vor allem bei dem jüngeren Publikum stark ankommt.




      Jason Ricci war schon mal vor sechs Jahren in Schöppingen dabei. Damals hat er die BluesRoad-Welt komplett gespalten. Jahrelang durfte der Mann aus den USA nicht ausreisen, jetzt ist er wieder da und spaltet die Roader wiederum, allerdings nicht so extrem wie vor 6 Jahren. 2014 bekam er für sein Harpspiel auf der Johnny Winter CD “Step Back“ den Grammy. Im gleichen Jahr gründete er zusammen mit John Lisi seine neue Band “Bad Kind“. Ergebnis: Ein Wahnsinns-Harper mit einer sehr guten Band.




      Jason Ricci legt wiederum eine betörende hypnotische Show hin. Er rennt, er schleicht, er kriecht über die Bühne. Er leidet, er schmachtet, er brüllt ins Mikrofon. Sein Harpspiel ist absolute Spitzenklasse oder wie ein Harper im Publikum meinte “Besser kann man dieses Instrument nicht spielen“. Blues mit einem Anteil an Psychedelic mitgetragen von einer technisch einwandfreien Band, mit einem großen Gespür für Rhythmus wird hier geboten. Gegenüber 2010 ist die Musik insgesamt harmonischer, die Band wird mehr mit einbezogen. Auch das Wetter scheint der Magie des Meisters zu unterliegen, es bleibt trocken. Zwar kommen die elektronischen Verfremdungen der Mundharmonika nicht bei allen Besuchern an, doch den weitaus größeren Teil der Bluesfans gefällt die Show. Starker Auftritt von Jason Ricci – Harp/Voc, John Lisi – Gitarre, Sam Hotchkiss-Gitarre, Andy Kurz-Bass, Adam Baumol-Drums.






      Ruthie Foster ist in einem kleinen Dorf in Texas, Gause im Milam County aufgewachsen. Wie viele andere Bluesmusiker auch, kam sie früh durch den Gospel zur Musik. Die mit zahlreichen Auszeichnungen geehrte Sängerin und Gitarristin tritt in Schöppingen zusammen mit der Schlagzeugerin Samantha Banks und dem Bassisten Larry Fulcher auf. Larry ist die Vertretung der Stammbassistin Tanya Richardson und spielt sonst in der Phantom Bluesband, die vor allem als Begleitband von Thaj Mahal bekannt geworden ist.






      Obwohl Ruthie Foster schon häufiger in Norddeutschland aufgetreten ist habe ich sie noch nie live erlebt. Da steht eine kleine Frau mit einer Gitarre, die beiden Begleiter dicht um sich versammelt auf der Bühne und nimmt einen vom ersten Ton an mit. Diese Stimme, dieses Charisma – das ist Gänsehautmusik pur. Diese Frau kommt ohne große Gesten, ohne übertriebene Posen aus. Eine Formation die allein durch ihr musikalisches Können überzeugen kann. Zwischen den Songs erzählt die Hautprotagonistin so manche Anekdote. Das Auditorium lauscht an diesem späteren Nachmittag gebannt der Künstlerin. Selbst Solo und a-capella vorgetragene gospelartige Lieder werden von Zuhörern überwältigt aufgenommen. Ergreifend der Vortrag von “The Ghetto“. Zwar hätten einige wenige Fans lieber die etwas härtere Ruthie Foster gehört, doch ich bin wie die große Mehrheit der Besucher absolut beeindruckt. Hier tritt eine ganz besondere Künstlerin auf. Riesiger, frenetischer Beifall für die drei Musiker. Nochmal werde ich mir ein Ruthie Foster Konzert in meiner Nähe nicht entgehen lassen.





      Mobile/Alabama liegt ca. 200 km östlich von New Orleans am Golf von Mexiko. Aus dieser Stadt kommt Jamell Richardson oder auch “The Golf Coast Blues Boy“ genannt. Seit 2014 ist er Solo unterwegs und seine Erfolgskurve steigt stetig in die Höhe. Viele sehen in Ihm den zukünftigen Soul-Blues Superstar. Begleitet wird er von einer 5 köpfigen Band in der Besetzung Gitarre, Bass, Drums, Keyboards und Saxophon.




      Eine erstklassige, groovende Begleitband mit einen in seinen Gesten stark an den jungen B.B. King erinnernden Bandleader. Ein exorbitanter Gitarrist der sein Können eventuell mit etwas vielen Mätzchen und zu viel Wirbel vorträgt. Teilweise kommt das Gitarrenspiel zu spektakulär, zu vordergründig daher. Dann sind wiederum schöne Duette zwischen der Gitarre und der Orgel oder der Sechssaitigen und dem Saxophon zu hören. Man merkt, der Mann kommt von der Schauspielerei, er spielte Jimmy Nolan, Freund und Gitarrist von James Brown in dem Film „Get On Up“. Alles in allem eine gute Blues-Show mit einer Top-Band und einem Leader von dem man sich noch etwas mehr (ehrliches) Gefühl wünscht.



      Was soll ich objektives über einen Mann schreiben, dessen neuste CD “The Chicago Walk“ ich in meinen letzten Sendungen auf BluesRoad Radio rauf und runter gespielt habe. Das ist reiner Chicago Blues wie er sein soll. Auch an diesem späten Abend ist es wieder bitterkalt auf der Festivalwiese. Eine Handvoll BluesRoader aber hält es neben ca. 1000 weiteren Fans vor der Bühne aus. Ich will auf jeden Fall wissen, hält der Mann live, was die CD verspricht?



      Nach einem etwas verhaltenen Beginn kommt der in Chicago geborene Musiker nach dem dritten Stück richtig auf Touren. Beeindruckender wunderbarer Chicago Blues ohne große Showeinlagen. Zwei, drei Kabinettstückchen mehr braucht es auch nicht. Herrlicher Gitarrensound an dem auch maßgeblich der zweite Gitarrist beteiligt ist. Eine Rhythmusgruppe wie sie sein muss. Bass und Schlagzeug begleiten Toronzo Cannon nicht nur, sie gehen mit dem Hauptakteuer mit und auf ihn ein. Zudem eine Stimme die wie für den Blues gemacht ist. Kurz vor Ende des Konzertes kommt dann noch Khalif Wailin' Walter auf die Bühne und jammt noch ein wenig mit der Band. Zum Abschluss des 25. Grolsch Bluesfestivals in Schöppingen noch mal Blues vom Feinsten. Das Bibbern und Ausharren hat sich gelohnt.



      Drei sehr schöne Tage mit viel Blues, einigem Verwandten liegen hinter uns. Es war trotz des Wetters ein Genuss. Vielen Dank dem Team um Ritchie Hölscher. Super Organisation, toller Sound, (bis auf eine Ausnahme aber dafür konnte das Team nichts) und das Wichtigste für ein Festival - starke Mucke!



      Wir freuen uns schon auf Schöppingen 2017.
      John